Der Marxismus im 21. Jahrhundert. Teil 3.

Mädchen, die als Backsteinzertrümmerin in einer Fabrik in Dakke arbeitet

Mädchen, die als Backsteinzertrümmerin in einer Fabrik in Dakke arbeitet

Es ist eine Sache, alle Arten der Dehumanisierung der eigenen Mitmenschen zu betrachten. Zu beobachten, wie Menschen um dich herum unter Hunger, erdrückender Menschendichte, erschöpfender Arbeit, stumpfsinnigem Alltag und allen anderen Formen der direkten, vulgären und offensichtlichen Ausbeutung leiden. Zu sehen, wie diejenigen, die sich in deiner Nähe befinden, dieser Ausbeutung erliegen.

Und es ist eine andere Sache, ein Mitgefühl für Völker in Asien, Afrika und Lateinamerika zu entwickeln, die von den westlichen Eliten und deren lokalen Marionetten gnadenlos ausgeraubt werden, indem ein Teil der „Beute“ der einfachen Bevölkerung im Westen, die nicht in der asiatisch-afrikanisch-lateinamerikanischen Peripherie lebt, übergeben wird.

Angenommen, du hast dieses gerechte Mitgefühl entwickelt. Und jetzt?


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Der Marxismus im 21. Jahrhundert. Teil 2

Marx, Engels, Lenin, Stalin

Marx, Engels, Lenin, Stalin

Großherzig und großartig ist die Geschichte dieser sozialen Höllenfahrten, die damit ausgeübt wurden, dass die Notleidende die Hölle verlassen können.

Gibt es wirklich Menschen, die glauben, dass Marx (und Engels, und Lenin, und Stalin) sich an zweitrangige oder sogar erstrangige Bestandteile der Modelle, der Lehren und der Theorien klammern würden, wenn sie auf eine neue Problemstellung treffen? Und das obwohl diese Bestandteile (und Modelle, und Lehren, und Theorien) in Situationen entstanden, wo diese Problemstellung noch gar nicht vorhanden war? Wenn dem so ist, wie soll man die bekannte Aussage von Engels interpretieren, die später mehrmals von Lenin und von Stalin wiederholt wurde, dass „der Marxismus kein Dogma sei, sondern eine Anleitung zum Handeln“? Und andere ähnliche Aussagen von anderen Politiker-Marxisten? Von solchen Aussagen gibt es eine ganze Unmenge.

Über die Klassen und Klassenkampf hatte Marx nicht sehr viel geschrieben — ihm hat die Zeit dafür nicht gereicht. Damit die „Klasse an sich“ zu einer vollwertigen Klasse („Klasse für sich“) wird, braucht sie eine Vereinigung mit irgendwelchen intellektuellen Kräften, die nicht nur den Intellektualismus, sondern auch eine politische Selbstheit besitzen. Diese Kräfte müssen dann die Klasse wachrütteln und zu etwas historisch Bewegendem umstrukturieren. Damit die Klassenprotosubstanz eine neue vollkommene Struktur, einen neuen Willen und Bewusstsein bekommt, aus einer Protosubstanz zu einer Substanz und danach zum Subjekt der historischen Handlung wird, um sich selbst und die Menschheit zu retten.


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Der Faschismus – Einführung in die Problematik und die marxistische Theorie

Mai 1945 - Der Sieg der Sowjetunion über das faschistische Deutschland.

Mai 1945 – Der Sieg der Sowjetunion und der Allierten über das faschistische Deutschland.

Einführung in die Problematik

Das Traurige am Begriff „Faschismus“ ist – obwohl es eine große Menge von stark ausgeprägten faschistischen Bewegungen gibt – dass er im gesellschaftlichen Bewusstsein sehr vage und unbestimmt aufgenommen wird. Dies liegt daran, dass der Begriff aktiv im politischen Kampf benutzt wird. Wie eine Art Etikett, das man seinen politischen Gegnern anhängt. Es gibt wohl kaum eine Bewegung, kaum eine staatliche Politik, die heute nicht die Beschuldigung des Faschismus in der einen oder anderen Form ertragen musste. Die Unbestimmtheit des Begriffs „Faschismus“ trat so ziemlich seit der Entstehung auf. So haben bereits in den 20-er Jahren des 20. Jahrhunderts die europäischen Kommunisten das Schimpfwort „Sozial-Faschisten“ in Bezug auf die Sozial-Demokraten benutzt, während diese ihrerseits den Begriff „Kommunofaschismus“ für die Kommunisten anwendeten. Heutzutage benutzt man den Begriff auch im Alltagsgebrauch. Oft wird, wenn man einen Menschen als „Faschisten“ bezeichnet, nicht sein Bekenntnis zur faschistischen Ideologie, sondern eher seine äußerste Brutalität oder Gefühlslosigkeit gemeint.


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