Die Gnostik als Vorreiterin des Faschismus

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Der okkulte Hitlerismus und seine neofaschistischen Variationen sind natürlich nicht aus dem Nichts entstanden. Die verbreitete Meinung, dass der „Mythos des 20. Jahrhunderts“ von Rosenberg ein monströses und unerwartetes Kind des deutschen Nazismus ist, ist ebenfalls ein Mythos. In der Realität beinhaltet der Faschismus des 2o. Jahrhundert alle grundlegenden ideologische Motive, die auch bereits bei den früheren Gnostikern existierten. Deswegen ist die Analyse der gnostischen Wurzeln des Faschismus zweifellos wichtig für das Verständnis dieser Erscheinung.

Wir gehen davon aus, dass der Konflikt des Faschismus mit dem Humanismus die Konsequenz eines viel tieferen Konfliktes ist, der mit seinen Wurzeln sehr weit in die frühere Geschichte des Christentums reicht. Das ist der Konflikt zwischen der Metaphysik der Gnostik und der des Chiliasmus.

„Die gnostische Metaphysik sieht das Böse als die Grundeigenschaft des Seins an, die das Sein aufgrund seiner Genesis besitze. Weil es nicht von der höchsten kreativen Instanz geboren, sondern von einem bösartigen und unvollkommenen Demiurg (einem jüdischen Stammesgott) erschaffen sein soll.

Und dementsprechen kann Entwicklung als solches für die Gnostiker kein Ziel sein. Denn für sie ist die Schöpfung das Böse selbst. Folglich muss auch die historische Zeit, die Geschichte, die der Schöpfung entsprungen ist und von ihr aufrechterhalten wird, böse sein. Für die Anhänger der gnostischen Metaphysik gibt es das Gute nur im Vor-Dasein (das primordiale Gute, wie sie es nennen). Dieses primordiale Güte sei, nach der Meinung der Gnostiker, vom Demiurg besudelt worden. Und deswegen sei die Wiederherstellung des Guten mit der Schöpfung nicht vereinbar. Man kann das Gute nur dann wiederfinden, wenn man die Schöpfung komplett auslöscht.

Und solange die Schöpfung nicht ausgelöscht ist, solange der Schöpfer nicht kapituliert hat (oder zusammen mit der Schöpfung gestorben ist), ist alles unverbesserlich vom Bösen belastet. Das Böse hat damit einen fundamental unausrottbaren Charakter. Es ist mit der Schöpfung gleichbedeutend. Und noch genauer: Der Vereinigung des Schöpfers mit der Schöpfung.“ (S.E. Kurginyan „Esau und Jakob“)

Der Chiliasmus ist der Glaube an das Aufrichten von einem Tausendjährigen Reich, einem Paradies auf Erden. Die chiliastische Metaphysik ist der Gegensatz zur gnostischen. Demnach ist das Gute die wesentliche Charakteristik des Seins. Also die Schöpfung ist an sich Gut, hat einen Kern des Gutes. Natürlich besitzt die Schöpfung bestimmte Unvollkommenheit, die es zu entwickeln gilt. Aber das ist Entwicklung. Und diese Entwicklung ist notwendig, um das Sein zu verbessern. In der chiliastischen Metaphysik ist Entwicklung etwas grundlegend Gutes. In der gnostischen – etwas grundlegend Böses. 

Und diese gnostische Metaphysik liegt dem Faschismus zu Grunde. Deshalb kann sich der Faschismus als radikal-antihumanistisch positionieren, denn wenn Humanismus der treibende Faktor in der Entwicklung der Geschichte ist, und die Entwicklung uns immer weiter weg von dem vollkommenen, primordiale Guten bringt, dann ist der Humanismus der größte Feind des Faschismus. 

Das ist auch der Kernpunkt, wieso viele Russen so eine große Bedeutung in den Zweiten Weltkrieg, oder „Großen Vaterländischen Krieg“ legen. Es wird von den Russen nicht als normaler Krieg, also als Krieg zweier Imperien, der auch so schon oft in der Geschichte der Menschheit stattfand, angesehen. Sondern als einen „Heiligen Krieg“, wo die gnostische und die chiliastische Metaphysik aufeinander trafen. Wo der Wille zur Entwicklung, die Hoffnung in das Gute des Menschen gegen absoluten Hass und Antihumanismus kämpften. Das war ein heiliger Krieg. Und das ist auch die Sichtweise der Bewegung „Das Wesen der Zeit“. Für uns verkörpert der Kommunismus nicht nur die einzige mögliche Alternative für die Menschheit. Es ist an erster Stelle ein Kampf für den Humanismus gegen die Kräfte, die den Humanismus zum absoluten Feind erklärt haben. 

 

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