Der Faschismus. Seine antihumanistische Natur.

Die Erschaffung Adams. Michelangelo

Die Erschaffung Adams. Michelangelo

In den ersten Artikeln (1, 2, 3) wurde bereits erwähnt, dass der Humanismus eine der Hauptsäulen des Zeitalters der Moderne war. Jedoch existierte der Humanismus lange vor der Moderne. Dieser Begriff wurde vom altrömischen Schriftstellen und Politiker Cicero im 1. Jahrhundert v. Chr. eingeführt. In der Antike verstand man den Humanismus, an erster Stelle, als das Ideal des Menschen, der sowohl körperliche als auch geistige Schönheit besaß und sich harmonisch in die Gesellschaft und Natur (Kosmos) einlebte. Der christliche Humanismus des Mittelalters forderte vom Menschen die Beachtung der christlichen Moral, dabei waren alle Menschen gleich vor Gott. Gerade das Christentum schuf den Begriff des Menschen als universelle Persönlichkeit. Diese Persönlichkeit blühte besonders stark im Zeitalter der Renaissance auf. Der Humanismus des Zeitalters der Aufklärung basierte auf dem Verstand des Menschen als dessen erkennenden, schöpferischen und autonomen Kraft.

Der Faschismus versucht, den Humanismus aufzugeben. Der Humanismus hindert ihn daran, ein hierarchisch-elitäres System aufzubauen, die Ausbeutung durchzuführen und die „minderwertigen“ Völker auszulöschen. Gerade deswegen muss der Humanismus zerstört werden. S. Kurginyan äußert sich folgenderweise über den Faschismus:

„Auf der anderen Seite stand ein fundamentaler Antihumanismus. Der Faschismus ist nur ein Teil der historisch bedingten Erscheinungsform dieses metahistorischen Wesens, das komplett durchdrungen ist mit einem tiefsten Hass gegenüber allen menschlichen Ambitionen (Möglichkeiten und Bereitschaften).“ (S. E. Kurginyan „Esau und Jakob“).

Hinter der Konfrontation des Kommunismus und des Faschismus sehen wir eine fundamentalere Konfrontation. „Der Faschismus wurde nicht für den Kampf gegen den Kommunismus benötigt, sondern für den Kampf gegen den Humanismus als solchen“. (S. E. Kurginyan „Esau und Jakob“)

Einer der Wege, mit denen man den Kampf gegen den Humanismus führt ist der Versuch, eine klare Linie dieser Konfrontation zu verwischen, indem man den Kommunismus mit dem Faschismus gleichsetzt.

„Den ambitionierten Humanismus hat man bekämpft, indem man sagte, der Kommunismus und Faschismus seien ein das gleiche Böse, das man unter dem Namen „Totalitarismus“ vereinte. Man bekämpfte es, indem man diese verlogene Gleichung umkehrte und behauptete, der Kommunismus und der Faschismus seien zwei „gute“ Zwillingsbrüder.“ (S. E. Kurginyan „Esau und Jakob“; siehe auch das Konzept vom Totalitarismus von Friedrich/Brzezinski, welches im Kalten Krieg entwickelt wurde)

Mithilfe solcher Manipulation wird einem die Fähigkeit genommen, das fundamentale Wesen des Konfliktes zu erkennen, was letztendlich zur Ablehnung des Humanismus führt, denn wenn der Kommunismus und der Faschismus gleich sind, ist auch der Humanismus „bösartig und abscheulich“, ähnlich dem Faschismus.

Der Antihumanismus des Faschismus ist nicht nur eine bestimmte Taktik oder ein Trick für bestimmte Zeit oder Ort – er ist fundamental, d.h. er ist ein Teil seiner Basisstruktur, seines Wesens. Der Faschismus kann sich nie vom Antihumanismus abwenden, denn dann ist er kein Faschismus mehr.

Faschisten brauchen die Dehumanisierung für die Kontrolle über Bürger, die auf das Niveau einer Herde herabgesenkt. Einer der früheren Faschisten, der italienische Schriftsteller Gabriele D’Annunzio schrieb in munterer Begeisterung über die Rolle des Volkes aus der Sichtweise der Faschisten:

„Eine Menschenherde kann nur äußerst vereinfachte Ideen verstehen. Um sie zu verführen, muss man nicht an ihren Verstand appellieren, den sie nicht besitzt, sondern an ihre Phantasie. Sie tritt die Schwachen nieder und beugt sich vor dem Stärkeren. Der Heldentyp, der sie so anzieht, wird immer der von Caesar sein: sein Helm fasziniert die Masse, seine Macht flößt ihr Respekt ein und sein Schwert lehrt sie das Fürchten.“

Gerade deswegen streben Faschisten die Absenkung der Bildung auf das absolute Minimum an, was die Ablehnung der Idee der Persönlichkeitsentwicklung bedeutet. Die Persönlichkeit muss auch bis auf ein Minimum reduziert werden. Dafür müssen die tierischen Instinkte des Menschen, die seit Jahrhunderten durch die Kultur gebunden waren (Tabu), entfesselt werden. Deswegen ist die Kultur auch so wichtig in diesem Zusammenhang. Und der Einzige, der eine Form von Individualität besitzen darf ist der Träger der absoluten Macht – Caesar, der Führer. Damit folgt auch der vollständige Verzicht auf die Moral. Die italienischen Faschisten forderten folgendes:

„Der faschistische Krieger besitzt seine eigene Moral. Die Gesetze der allgemein anerkannten Moral im Bereich der Familie, Politik und gesellschaftlicher Verhältnisse sind ihm fremd. Sein Ehrenkodex hängt mit seiner Einweihung in den Orden zusammen, mit der höchsten faschistischen Idee… sein Gehorsam … muss blind, bedingungslos und respektvoll sein – bis zur höchsten hierarchischen Stufe, höchsten Vorgesetzten und Parteivorstand.“

Um die ganzen Punkte nochmal zusammen zu fassen, besitzt die antihumanistische Natur des Faschismus folgende Charakteristiken:

  1. Fundamental. Der Humanismus ist ein absoluter Feind des Faschismus, da er ihn stört, eine absolut ungleiche, entwicklungslose Welt zu schaffen. Ohne den Antihumanismus kann es kein Faschismus geben.
  2. Um den Humanismus anzugreifen, versucht er eine Gleichstellung mit dem Kommunismus zu erreichen, was gerade im Kalten Krieg seitens der westlichen Kräften immer und immer wieder versucht wurde.
  3. Die Dehumanisierung, bzw. das Ablehnen der Idee der Persönlichkeitsentwicklung, ist ein notwendiger Teil der Gesellschaftskontrolle. Eine Gesellschaft mit Menschen ohne entwickelte Persönlichkeiten, ist einer Herde von Tieren ähnlich, die man mit Hilfe von Phantasien und irrationalen Glaubensstrukturen kontrollieren kann.
  4. Der einzige, der eine Persönlichkeit besitzen darf, ist der „Führer“ – der Träger absoluten Macht. Er hat seine eigene Moral, die er durchführen kann, ohne sich vor der Gesellschaft zu fürchten. 

 

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