Bericht. Wesen der Zeit – Gedenkaktion zum 8. und 9. Mai im Treptower Park, Berlin.

Das Deutschland-Team „Das Wesen der Zeit“

8 und 9 Mai. Diese Mai Tagen haben eine besondere Bedeutung für die ganze Menschheit. An diesem Tag vor 71 Jahren endete der schrecklichste Krieg in der Geschichte der Menschheit, der II. Weltkrieg oder auch der Große Vaterländische Krieg. Dieser Krieg löschte dutzende Millionen Menschenleben aus und zerstörte hunderte von Städte und Dörfer.

Nach so vielen Jahren, hört man heute keine Explosionen und Schüsse in Berlin mehr, denn damals hatte die Sowjetunion und die Alliierten der Anti-Hitler-Koalition das faschistische Deutschland besiegt.

 

Die deutsche Abteilung der Bewegung „Das Wesen der Zeit“ führte, wie in den letzten Jahren (2013 (rus), 2014 (rus), 2015 (de)) eine Gedenkaktion am Tag des Sieges in Berlin durch. Eine Gedenkaktion zu diesem Ereignis finden wir als besonders wichtig, da nur das Verständnis der Geschichte dazu führen kann, dass die Fehler nicht widerholt werden. In dieser Hinsicht schätzen wir besonders den Beitrag der Sowjetunion, die unumstritten das größte Opfer auf den Altar des Sieges gebracht haben. Gerade dafür haben wir Infoplakate über die Geschichte des Krieges, über dessen Ursachen und Voraussetzungen, Kollaborateure, sowie über die modernen Kämpfer gegen den Faschismus vorbereitet. Auf unseren Infoplakaten wurden die Heldentaten des sowjetischen Volkes, der Beitrag zum Sieg der Rotarmisten und der Arbeiter des Hinterlandes, den heutigen Kampf gegen den Faschismus und vieles mehr dargestellt.

Im letzten Jahr zum 70. Jahrestag des Sieges haben wir ca. 10.000 Georgsbändchen verteilt. Viele Deutsche fragten uns damals, was dieses Symbol bedeutet. Es gab auch welche, die dachten, dass das Bändchen nur wenige Jahre alt ist. Damit die Menschen, die den Treptower-Park in diesem Jahr besuchen, die ausführliche Geschichte des Georgsbändchens erfahren können, haben wir extra ein Infoplakat und ein Flyer diesem Symbol des Sieges gewidmet. Den Flyer haben wir zusammen mit dem Bändchen verteilt. Daraus konnte man erfahren, dass dieses Symbol der Tapferkeit bereits einige Jahrhunderte existierte. Das Georgsband wurde im Jahre 1769 während des russisch-türkischen Krieges eingeführt. Eine zweite Geburt erlebte es als Gardenband zum Großen Vaterländischen Krieg. Zurzeit ist es zum Symbol des Kampfes gegen den Faschismus geworden, da es die Heldentaten unserer Vorfahren mit Ihren modernen Nachkommen, die heute im Donbass gegen den Faschismus kämpfen, verbindet. Die Plakate können online eingesehen werden, jedoch im Falle der Weiterverbreitung muss unsere Webseite (eu.eot.su) angegeben werden. Die Plakate über den 2. Weltkrieg kann man hier anschauen. Die Plakate über die Besonderheiten des ukrainischen Nationalismus – hier.

Unsere Aktion hat am 8. und 9. Mai stattgefunden, da der 8. Mai in Europa und der 9. Mai in Russland und den post-sowjetischen Ländern gefeiert wird. Am 8. Mai kamen größtenteils Deutsche in den Treptower-Park. Es ist uns jedes Jahr immer sehr angenehm zu erfahren, dass trotz der oberflächlichen und teilweise auch komplett falschen Beleuchtung der Geschichte des Zweiten Weltkrieges das deutsche Volk den Tag des Sieges und der Befreiung ehrt und feiert.

Unsere Infostände haben viel Aufmerksamkeit der Besucher auf sich gezogen. Mehrere Leute lasen alle unsere Plakate durch, obwohl das mehr als 15 Plakate waren mit viel Text und Information. Sogar diejenigen Deutschen, die sich mit der Geschichte gut auskennen, haben für sich unbekannte Seiten des zweiten Weltkrieges entdeckt. Das hat uns beispielsweise ein Offizier des Stabes der vereinigten Streitkräfte der Länder des Warschauer Paktes aus DDR erzählt.

Nachdem mehrere Bürger die Plakate über die Bestialitäten der Bandera-Anhänger durchgelesen haben, wurden wir mit der Frage konfrontiert, wieso die deutsche Regierung die derzeitige ukrainische Regierung unterstützt, obwohl sie den Bandera und Schuchewytsch heroisiert.

In diesem Jahr, ähnlich wie auch in den Vorjahren, versetzten uns die Geschichten der Gäste wegen ihrer Aufrichtigkeit ins Staunen. In Erinnerung ist ein Mann im Alter von 73 geblieben, der zum Ehrenmal alte Fotoaufnahmen der Nachkriegszeit mitgenommen hat. Auf einem Bild ist er ein zweijähriger Junge, der auf den Armen eines sowjetischen Soldaten sitzt. Auf dem anderen Foto ist sein Vater, Bruder und Schwester zusammen mit einer Gruppe der sowjetischen Soldaten abgebildet. Sein Vater war ein Kommunist und ein Dolmetscher für Soldaten. Die Begegnung mit den Soldaten hat ihn so stark beeindruckt, dass er sich für eine Militärkarriere entschieden hat und die Freundschaft mit seinen sowjetischen Genossen gepflegt hat. Mit einer vom Schmerz bedrückter Stimme sprach er darüber, daß jedes Jahr  immer weniger Genossen zum Ehrenmal kommen. Als die Rede von dem Zerfall der Sowjetunion ging und der Vereinigung von Deutschland, sagte er, fast mit Tränen auf den Augen: „Gott sei dank, daß meinen Vater es nicht angetroffen hatte. Sein Herz hätte es nicht überlebt.“

Der 73-Jährige Besucher des Ehrenmal mit Zwei alten Fotos aus der Nachkriegszeit

Genauso rührend und interessant ist eine Geschichte einer deutschen Dame aus BRD, derer sechszehnjäriger Onkel zum Dienst im Wehrmacht berufen wurde und in die sowjetische Gefangenschaft geriet. Beim Verhör fragte ihn ein sowjetischer Offizier, wo er herkommt. Als er die Antwort „aus Düsseldorf“ hörte, sagte er, dass das die Stadt von Heinrich Heine sei. Der junge Deutscher kannte den Namen gar nicht. Jedoch hatte die humane Behandlung der Russen gegenüber den Deutschen, die ihnen so viel Leid angetan haben, ihn so stark beeindruckt, dass er sich in einen Antifaschisten und Menschen verwandelte, der großen Respekt gegenüber der UdSSR entwickelte. Als er aus der Gefangenschaft heimkehrte, hatte er die Biografie und Werke von Heine, einschließlich „Buch der Lieder“, gründlich studiert.

Eine Besucherin, dessen Onkel mit 16 Jahre in Gefangenschaft der Sowjets fiel

Ein Mann aus der DDR kam zu unserem Stand und erzählte stolz darüber, dass sein Herz mit der Sowjetunion verbunden ist. Nach dem Krieg wurde sein Leben von einer sowjetischen Militärarztin gerettet. Nach dieser Erreignis wird er niemals glauben, daß die Russen seine Feinde werden können.

Am 8. Mai fand abends am Ehrenmal eine Kundgebung von linken Kräften Deutschlands statt, bei der die Vertretter der russischen und weissrussischen Botschaften Reden hielten. Davon, was Faschismus ist, und warum er nicht zugelassen werden darf, erzählten die Teilnehmer der Befreiung von Berlin, sowie ein Gefangener aus dem Konzentrationslager Buchenwalde.

Die Kundgebung wurde mit dem Chor namens des Ernst Busch abgeschloßen, der die russische Lieder der Kriegszeit auf Deutsch gesungen hat.

Ehemaliger Buchenwald Gefangener

Am 9. Mai war der Treptower-Park seit dem frühen Morgen mit Menschenmengen gefüllt. Der größte Teil der Besucher von Ehrenmal war an diesem Tag russisch sprachig. Sie kamen mit ihren ganzen Familien, Blumen, Militärauszeichnungen. Viele besucher zogen die sowjetische Uniform der Kriegszeit an. Viele hatten Poster ihrer Verwandten, die im Krieg gekämpft hatten. Wie im letzten Jahr am Tag des Sieges marschierte die „Unsterbliche Regiment“ durch Straßen Berlins.

Delegierte aus den UdSSR-Republiken erlegten feierlich Blumen zum Piedestal des Denkmals und auf die Gräber, in denen ca. 7500 sowjetischen gefallenen beim Sturm des Berlins Soldaten begraben sind. Im Namen der Bewegnug „Das Wesen der Zeit“ erlegten wir ebenfalls Blumen zum Denkmal und erwiesen unseren Respekt gegenüber den sowjetischen Soldaten.

Im Laufe des ganzen Tages waren dauernd Leute bei unseren Ständen. Um ein Georgsbändchen zu bekommen, standen Menschen Schlange. Und obwohl der Menschenfluß vom frühen Morgen bis zum Abend zwei Tage lang nicht aufhörte, war es nie langweilig die Bändchen zu verteilen. Man fühlte die Freude und den Stolz der russischen Landsleute, die auf unterschiedliche Wegen nach Deutschland gekommen sind, aber für diesen Tag dennoch das Bedürfnis verspürt haben, die Verführung der modernen Gesellschaft abzuweisen und die Zugehörigkeit zum Volk zu erklären, der die Welt vom Faschismus befreit hat. Nicht nur Gardenbändchen waren begehrt, sondern auch russische Trikolore. Es war auch angenehm zu erfahren, dass viele Parkbesucher ihre Bändchen vom letzten Jahr aufbewahrt und angehängt haben.

In den Park kamen unterschiedliche Leute, von alten Augenzeugen und Opfer des Krieges bis zu jungen Pärchen mit Kleinkindern, von allen sozialen Schichte, von wohlhabenden Kaufmännern bis zu denen, die keine marktnische für sich gefunden haben. Russen, Weissrussen, Kasachen, Moldovaner, Chilier, Italiener, Franzosen… Das ist ein Feiertag, der Menschen aller Nationen vereint. Menschen erzählten, wie sie extra zum Fest gefahren sind, bedankten sich bei uns herzlich. Und wir bedankten uns bei ihnen dafür, daß sie ihre Zeit und Geld nicht sparen wollten, daß sie nicht gleichgültig sind und die Geschichte nicht vergessen…

Menschen lasen unsere Plakate mit wahrem interesse, stellten Fragen zur Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges, hörten und sangen Lieder, die aus unseren Lautsprechern klangen. Großes Interesse weckte unsere Zeitung „Sut‘ Vremeni“ (Wesen der Zeit), sowie das Flugblatt mit der Info über unsere Bewegung. Viele waren überrascht, dass wir in Deutschland wohnen und nicht aus Rußland gekommen sind, um die Aktion durchzuführen. Sie waren besonders neugierig über unsere Tätigkeit in Europa. Wie wir den Familien helfen, die Kinder, die vom Jugendamt rechtswiedrig entnommen wurden, zurückzubekommen. Wie wir die antibanderistische Ausstellungen und internationale Projekte, um den Donbass zu unterstützen organisieren. Dutzende Besucher wollten mit unserer Abteilung den Kontakt weiter ausbauen.

Es war bemerkenswert, dass wir während der zwei Tagen im Park kein einziges verlorenes Georgsbändchen oder Flugblatt gefunden haben. Normalerweise liegen bei großen Veranstaltungen immer die Flyer und andere Sachen auf dem Boden. Nicht so mit den Bändchen, selbst wenn der Wind die Bändchen aus den Händen wehte, wurde es schnell wieder aufgehoben.

Der Tag des Sieges und der Befreiung Deutschlands vom Faschismus hat sich für die Menschen, die in Deutschland wohnen, nicht in ein sinnloses Konsumfest entwickelt. Es ist ein Tag, an dem der Geist der Feier über den Sieg mit den Tränen in den Augen in Erinnerung bleibt, wo man Stolz für das sowjetisches Volk und Respekt vor den im Kampf gegen den Faschismus gefallenen Helden verspürt.

Zum Schluß sei es betont, daß die absolute Mehrheit der Menschen, seien es Russen, oder Deutsche, mit denen wir im Treptower-Park sprechen konnten, der Meinung waren, daß die Merkmale der Widerkehr des Faschismus in der modernen Welt deutlich zu sehen sind. Diese Gefahr haben sowohl politische Beamten als auch einfache Leute bemerkt. Sie sprachen mit Sicherheit darüber, dass das auferstehende Böse ohne Russland nicht zu besiegen ist, weswegen der Westen seine Außenpolitik radikal verändern soll.

 

Deutsche Abteilung der Bewegung „Das Wesen der Zeit“
8. und 9. Mai 2016, Berlin

 

P.S. Die Fotoaufnahmen von der Aktion können hier angeschut werden (ca. 60 Bilder).

 

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