Können SS-Mitglieder mit Bandera-Anhängern kämpfen?

Text von Pavel Gurjanow

Dass die Rolle des okkulten Faschisten Alexander Dugin im politischen Vorgang um Neurussland wesentlich ist, ist allen klar. Es gibt schon alle offensichtlichen Merkmale darüber, dass Dugin an irgendeinem undurchsichtigen Spiel teilnimmt. Was auf der Hand liegt, ist die Teilnehme Dugins an einer Informationskampagne der Werbung  für Strelkow, die Rechtfertigung seiner Aufgabe von Slawjansk, Kramatorsk und anderer Städte der DVR, hysterische Propaganda der Einführung der Kampfeinheiten der Russischen Föderation in die Ukraine, die Diskreditierung von Putin in den Augen patriotisch eingestellter Bürger wegen vermeintlich abwesender Hilfe der Volkswehr der DVR und LVR aus Russland: „Russische Patrioten sind nah dran, sich von Putin abzuwenden“. Dugin hat den Neonazi und Wlasow- Anhänger Proswirin unterstützt, der Strelkow vorgeschlagen hat, nach der Aufgabe von Slawjansk einen Aufstand in Rostov zu organisieren. Dass Dugin ein faschistisches Projekt umsetzt, sagt er selbst: „Faschismus interessiert uns von der geistigen, idealistischen Seite, als eine Ideologie, die versucht, durch einen Appell an den nationalen Faktor die Gegenüberstellung der Klassen in der Gesellschaft zu überwinden“. Auf einem Video am Anfang des Artikels predigt Dugin während einer seiner Vorlesungen sehr ehrlich die Vernichtung der Welt – eine gnostische Idee, auf der der Faschismus des Dritten Reiches aufgebaut wurde.

Jetzt ist es an der Zeit, über die Teilnahme eines so extravaganten Spielers wie Dugin an der Steuerung des politischen Prozesses und seine Verbindung mit anderen Teilnehmern des großen Spiels zu reden.
Im Artikel über den Hintergrund von Strelkow und Borodaj habe ich schon über ihren Chef geschrieben, den Oligarchen und Unternehmensplünderer Konstantin Malofejew, der mit Kreisen der Weißemigranten und mit superelitären Kreisen der Rechtsradikalen von USA aus „American Enterprise Institute“, dem Dominium der Clans von Cheney, Busch, Ford, eng verbunden ist. Malofejew hat laut der Beschreibung des Journalisten Oleg Kaschin schon in den 90ern eine Freundschaft mit Alexander Dugin geknüpft.Als ich angefangen habe, einie Parallele zwischen Strelkow und Alexander Lebed zu ziehen (diese Parallele wurde vor allem von dem Abgeordneten Eugen Fedorow aufgedrungen, indem er eine Idee bekannt gemacht hat, dass Strelkow  einen Staatstreik in Moskau gegen die 5. Kolonne im Kreml organisiert), ist die Gestalt von Dugin schon im Zusammenhang mit Lebed aufgetaucht: sein bester Freund und Mitstreiter, unter anderem auch im Eurasismus,  Gejdar Jamal hat dem Lebed die Khasawyurt-Vereinbarung aufgedrungen und eine Idee der Islamisierung von Russland popularisiert. Die Symbolik der von Lebed gegründeten Bewegung „Lebed“ hat Dugin im Buch „Wege des Absoluts“, das 1991 veröffentlicht wurde, entworfen. Das Kapitel Namens „Metaphysik der Kasten“ des Buches beschreibt die in der hinduistischen Tradition existierte Kaste des Schwans (auf Russisch „Lebed“), die laut dem Autor eine Kaste der Weltzaren und eine Krönung der Einleitung der Kasten darstellte. A propos bestätigen heftige Angriffe auf Kurginjan und zur Verteidigung von Strelkow vor Dmitrij Rogosin, dem Vorsitzenden der „Russischen Gemeinden“, von dem Lebed zu den Wahlen 1996 kandidierte und danach einen Staatstreik versuchte, die Version der Werbung für Strelkow als den 2. Lebed.Es gibt noch eine Verbindung von Dugin mit dem politischen Vorgang in der DVR: über den Volksbürgermeister Pawel Gubarew. Gubarew war ein Mitglied der RNE – einer faschistischen Organisation, die von A. Barkaschow gegründet wurde (mit dem Dugin in noch einem gemeinsamen Verein war – der Gesellschaft „Gedenken“ („Pamjat“), und weiter zusammengearbeitet hat). Das bestätigt Gubarew selbst: „Ich war in der Jugend tatsächlich ein Mitglied  der Bewegung „Russische Nationale Einheit“. Aber das war vor 12 Jahren, ich war jung und wild 🙂 Ich bin diesem Verein  für die militärische Ausbildung dankbar  – in der ukrainischen Armee bekommt man eine solche nicht :)“.

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Pawel Gubarew in der PNE
Aber die Verbindung zwischen Dugin und Gubarew ist viel enger, als obskure Mitgliedschaften in ähnlichen Vereinen. Alle haben schon die Pressekonferenz von Kurginjan in Donezk gesehen, wo Gubarew und der Stabsleiter von Strelkow hingekommen sind und einen Skandal angestellt haben. Ab einem gewissen Augenblick kam zu Gubarew ein Mann und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Dieser Mann ist Alexander Proselkow –Helfer von Dugin und Leiter des Südlichen Koordinationszentrums der Internationalen Eurasischen Bewegung in Rostov-am-Don, deren Leiter Digin ist.
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Alexander Proselkow
Es wird behauptet, dass Proselkow Mitglied des Stabs von Gubarew geworden ist, und in seiner Wohnung sogar einen Stab der Eurasismus- Anhänger aufgemacht hat. Wie Kurginjan nach seiner Rückkehr nach Moskau in seinem Klub erzählt hat,  kam Proselkow und flüsterte: „Fünf Minuten noch, halte durch!“, „Zwei Minuten noch!“. Auf einem kurzen Video, das von Gubarews Anhängern gedreht wurde, kann man das sehen. Auf 22:36 sagt Gubarew nach der nächsten Anweisung drei Mal hintereinander seinen Leuten, die mit ihm gekommen sind: „Gehen wir!“, und macht ein charakteristisches Kopfnicken. Danach fängt er an, sich frech zu verhalten, und dann fliegt aus dem Haus schnell wie eine Kugel.
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In derselben Zeit fuhr zum Haus, wo die Pressekonferenz von Kurginjan stattfand, eine Gruppe bewaffneter Männer auf mehreren Autos zwecks der Festnahme von Kurginjan, was sehr traurig für den Politologen hätte enden können. Aber die Leibwache von Kurginjan hat diesem Szenario, das vermutlich von Dugin selbst entworfen wurde, vorgebeugt, indem sie Soldaten von Gubarew und Strelkow, die auf die Festnahme eingestellt wurden, resolut gestoppt hat.Alexander Dugin ist eine markante und nicht durchschnittliche Persönlichkeit. Das ist ein Mensch mit sehr ausgefallenen ideologischen und politischen Ansichten, die er in der Regel während seiner Auftritte vor dem Publikum verbirgt. Um eine wahre Rolle von Dugin im Spiel um Neurussland und die Ziele, der er verfolgen kann, durchzublicken, müssen wir seinen Werdegang und die politischen Projekte, an denen er teilgenommen hat, genau betrachten.Ich beginne damit, dass in den 60ern in Moskau eine Gruppe von Intellektuellen erschienen ist, die sich mit dem Studieren von Traditionalismus und Okkultismus unter der Leitung des Schriftstellers Jurij Mamlejew befassten.

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Jurij Mamlejew
1974 ist er nach Österreich emigriert, und seine Mitstreiter –Anhänger der Nazi-Esoterik – haben  ein Verein mit dem bescheidenen Namen „Schwarzer Orden SS“ gegründet. Zu seinem Oberhaupt ist der Schriftsteller Eugen Golowin geworden, der in einem engen Kreis unter dem Namen „Reichsführer“ bekannt war.
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Eugen Golowin – der „Reichsführer“ des Schwarzen Ordens SS
Ab dem Beginn der 60er hat er Werke der europäischen Traditionalisten-Gnostiker übersetzt und im Untergrund Werke von René Guénon, Julius Evola, Miguel Serrano und anderer Autoritäten der europäischen „neuen Rechten“, Intellektuellen, die die Philosophie und okkulte Grundlagen des Faschismus geschaffen haben, propagiert. 1980 ist mit Hilfe von Gejdar Jemal in diesen Untergrundverein, dessen Versammlungen in der Jiginski-Gasse in Moskau  stattgefunden haben, Alexander Dugin eingetreten. Dort studierten sie Traditionalismus und faschistische Esoterik, was von diversen Orgien begleitet wurde, die später in Erzählungen der Augenzeugen wie auch in Romanen von Jurij Mamlejew beschrieben wurden.
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Jiginski-Kreis der okkulten Faschisten
1988 tritt Dugin (dem Ratschlag seines Lehrers Golowin folgend) zusammen mit G. Jemal in die durch ihren  Antisemitismus bekannte National-Patriotische Front (NPF) „Gedenken“ („Pamjat“) von Dmitrij Wasiljew ein.
Seit Ende 1988 bis Anfang 1989 war Dugin auch Mitglied des zentralen Rats von „Gedenken“ („Pamjat“) und hat für Mitglieder dieses Vereines (wessen Mitglied auch der zukünftige Leiter des neofaschistischen Vereines „Russische nationale Einigkeit“ (RNE) A. Barkaschow war) Vorlesungen über „weiße Vedanta“ gehalten – ein System religiös-okkulter Ansichten, die die „nordische Mystik“ von SS restauriert. Allerdings wurden A. Dugin und G. Gemal sehr bald aus dem „Gedenken“ („Pamjat“) „aufgrund des Verdachtes auf Satanismus und für antisowjetische Aussagen“ ausgeschlossen.Nachdem er einen ersten Misserfolg auf politischem Arbeitsfeld erlitten hat, versucht Dugin, die intellektuellen Schlussfolgerungen von „Schwarzem Orden SS“ über Publizistik einzusetzen. 1989 gründet er das „historisch-philosophische Zentrum „EON“, auf wessen Basis ein wenig später die Assoziation und der Verlag „Arktogea“ entsteht.Von 1990-1992 ermöglicht der Vater von Dugin (nach mancher Information General des Aufklärungsdienstes) seinem Sonn den Zutritt in die geheimen Archive des Sicherheitsdienstes. Dugin studiert das Archiv des „Ahnenerbes“ des Instituts, das durch ihre Forschungen im Bereich der Rassendoktrin des Nationalsozialismus und „Forschungen in der Anthropologie“  bekannt ist. „Ahnenerbe“ ist, wie bekannt, ein Kern der okkulten Ideologie des Dritten Reiches. Weiterhin benutzt Dugin diese Materialien weitläufig in seinen Artikeln und Büchern, in Serien der TV- und Radiosendungen über „Nazi- Esoterik“. Im September 1993 lief im 1. TV-Kanal eine Serie der Sendungen „Geheimnisse des Jahrhunderts“ von Alexander Dugin und Jurij Worobjewskij, die der Esoterik und der Philosophie des Faschismus gewidmet waren. Und Ende 1996 – Anfang 1997 bekommt Dugin eine wöchentliche Zeit  auf „Radio 101“, wo er eine Sendung „Finis Mundi“ („Weltuntergang“) moderiert. Diese Sendung war  in der Form der Erzählung über „große Ideen“ und „prominente Menschen“ gestaltet (unter ihnen Julius Evola, René Guénon, Karl Haushofer, Herman Wirth, weißer General-Okkultist Baron Unger von Sternberg u. a.).

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Von 1991 bis 1998 hat eine kleine Gruppe Dugins Gleichgesinnter unter seiner Leitung (und im Rahmen des Verlags „Arktogea“) einen esoterischen Almanach „Lieber Engel“ und eine konzeptionelle Zeitschrift „Elemente.  Eurasische Umschau“ für die „Neuen Rechten“ veröffentlicht.In diesen Zeitschriften war in der Tat ein elitärer Neofaschismus mit seinem Kult der „Waffen SS“ vorgestellt. So schreibt in der 1. Ausgabe der Zeitschrift „Elemente“ ihr Chefredakteur A. Dugun: „Faschismus interessiert uns von der geistigen, idealistischen Seite, als eine Ideologie, die versucht, über den Appel an den nationalen Faktor die Gegenüberstellung der Klassen zu überwinden“.Dort, auch im großen Material, das der Ideologie des Dritten Weges gewidmet ist, die auch als die Theorie der Konservativen Revolution bezeichnet wird (die Dugin bis jetzt propagiert), lesen wir: „Konservative Revolutionäre streben zur Rückkehr… zur idealen Vorkrisenwelt der Tradition, … zur einer solchen Ordnung, die nicht vor der Revolution, sondern auch vor den Ursachen, die dazu geführt haben, existierte. … Für eine Revolution, eine totale, erneuernde, radikale, aber in die Gegenrichtung der Revolution der Linken“.

In demselben Artikel bewundern Dugin und seine Mitverfasser Himmler und die Atmosphäre „der intellektuellen Freiheit und des Pluralismus“, die in der SS herrschte. Sie lobpreisen Mussolini, Franko, Codreanu und andere Kultfiguren des Dritten Reiches, die zur Entwicklung der Ideologie des Dritten Weges beigetragen haben.

Die Position des Verehrers der gnostischen Primordialen Tradition und des Goldenen Jahrhunderts lehnt Dugin auch jetzt nicht ab. Diese Texte kann man auf seiner Webseite „Arktogea“ lesen. Dabei lobpreisen junge Anhänger von Dugin –Mitglieder des von ihm gegründeten „Eurasischen Jugendvereines“ Corneliu Zelea Codreanu –Leiter der rumänischen „Eisernen Garde“, deren Grausamkeit der Zivilbevölkerung gegenüber selbst die Nazis geschockt hat.

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Corneliu Zelea Codreanu
Hier einige Beschreibungen der Grausamkeiten der „Eisernen Garde“: „Juden wurden unter Folter gezwungen, Abschiedsbriefe vor dem vorgetäuschten Selbstmord mit  einem Verzicht auf alle Eigentumsrechte zu unterschreiben. Frauen wurden vergewaltigt. Männer wurden von den höheren Stockwerken des Innenministeriums heruntergeworfen.Juden wurden nicht nur dazu gefoltert, dass sie Verstecke mit ihren Schätzen verraten, sondern auch zum sadistischen Vergnügen. Die Foltern sind Tag und Nacht gelaufen. Müde oder gelangweilte Henker wurden durch neue abgelöst. Leiter der sadistischen Vergnügen war Mircea Petrovetchescu, Sohn des Innenministers, den Antonescu zum Abtritt gezwungen hat. Juden wurden an Zielscheiben gebunden und angeschossen im Versuch, eine Kontur aus Kugeln um ihre Körper zu zeichnen. Jüdische Frauen wurden nackt ausgezogen und an Zielscheiben mit dem Rücken angebunden. Nach der Beendigung der Schießerei wurde ihnen die Brust mit Bohrern durchgebohrt. Nur eine Frau hat diesen Umgang überlebt, aber auch sie wurde später erschossen.Folter haben nicht nur die Männer, sondern auch ihre Kampffreundinnen – Mitglieder der „Legion“ – praktiziert. Laut Augenzeugenberichten rissen Frauen den Juden die Kleidung herunter und schnitten ihnen die Genitalien ab. Am  letzten Tag des Pogroms, am 23. Januar, wurden 15 Juden, darunter ein  fünfjähriges  Mädchen, aus dem Stab der Legionäre in den Schlachthof von Bukarest gebracht. Fünf Menschen wurden beim lebendigen Leib an Hacken aufgehängt, die man für Rinder benutzt, ihnen wurde die Haut abgezogen und die Gedärme um den Hals gewickelt. Auf den Körpern wurde das Wort „Koscher“ ausgebrannt. Um den Schlachthof tanzte fröhlich eine Horde Legionäre, das jüdische Samstagsgebet nachahmend.“

Auf ihrer Webseite erzählen junge Eurasier von Dugin, wie sie das Grab Ihres blutigen Idols feierlich besuchten und sogar darauf Eide abgelegt haben. Dugin beschreibt Codreanu und seine Bewegung als ein Versuch, „einen neuen Menschen“, „einen neuen heldenhaften Humanismus“ zu erschaffen, und bedauert von ganzem Herzen ihre Niederlage: „Aber wir wissen, dass die Geschichte nicht neu geschrieben werden kann. Muss auch nicht sein, muss auch nicht sein. Es war so toll… <…> Verdammt, der Sieg war so nah…

1991 veröffentlich Dugin sein erstes metaphysisches Werk „Wege des Absoluts“, in dem er versucht, den gnostischen Inhalt der inneren Metaphysik jeglicher Tradition zu beweisen.

Im selben Jahr veröffentlicht er die erste Ausgabe des Almanachs „Lieber Engel“, wo Übersetzungen der so genannten „europäischen Traditionalisten-Gnostiker“ vorhanden sind (René Guénon, Julius Evola, Claudio Mutti, Claudius-Philippe Bayet, Mircea Eliade, Herman Wirth, Aleister Crowley, Christophe Levalois u. a.), wie auch Werke von Dugin selbst und seinen Mitverfassern. Die Hauptrichtung der Veröffentlichungen ist eine gnostische und nebengnostische Metaphysik der Tradition, die Dugin in „Wegen des Absoluts“ beschrieben hat. Plus dazu Esoterik in großen Dosen, die „magische“ und „aufklärende“ Praktik betrifft (Initiation und Kontrainitiation), – von Alchemie und Hermetismus bis zur tantrischen Magie.

1993 veröffentlicht Dugin das Buch „Hyperboreische Theorie“. In diesem Buch gibt er die Theorie von Herman Wirth, des ersten Leiters des „Instituts Ahnenerbe“, über Geschichte, Metaphysik, kulturelle und anthropologische Überlegenheit der „arischen“ (nordischen, hyperboreischen) Rasse, wieder. Die Theorie, die zur offiziellen ideologischen Kern des deutschen Faschismus geworden ist.

Sodann beginnen politische Kontakte von Dugin mit E. Limonow. Noch im Mai 1993 wird Dugin im Namen der „Bewegung der neuen Rechten“ die Figur Nr. 2 der Nationalbolschewistischen Partei (NBP) von Limonow und ihr leitender Ideologe.

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E. Limonow, E. Letow, A. Dugin. NPB
Hier sind einige Thesen des neuen Leiters der „Nazbols“: „Der Nationalbolschewismus – <…> vereint alles Radikale, was Faschismus und Kommunismus beinhaltet haben. Sein Appell richtet sich an die Massen und lobpreist den Übermenschen. …Die neue Kraft verachtet gleichermaßen  alles Sowjetische, Liberale und Archaisch-Nationalistische. Sie kommt, um zu zerstören und zu schaffen. Wir können nur erahnen, unter welcher Fahne sie  in russische Städte einmarschieren“. (A. Dugin, aus der Zeitschrift „Elemente“ und der Zeitung „Limonka“, 1995-98). „Von den Rechten wird ihre politische Seite genommen, von den Linken ihre wirtschaftliche. Darin liegt der Sinn des National-Bolschewismus, der Konservativen Revolution, des Dritten Weges“. (A. Dugin, Artikel „Schwelle der Freiheit“ in der Zeitung „Limonka“).1994 versuchen Dugin und Limonow  eine „Einheitliche Front“ der linken und rechten Opposition mit Beteiligung des „Arbeitsrusslands“ von A. Ampilow und des faschistischen Vereines  „Russische Nationale Einigkeit“ (RNE) von A. Barkaschow zu erschaffen.1995 beschließt Dugin, selbstständig in die Politik einzutreten. Im Dezember kandidiert er in die Duma des Nord-Westlichen Wahlbezirks Nr. 210 (Sankt Petersburg) – mit Unterstützung von Sergej Kurechin, Jurij Nersesow und der linksradikalen Gruppe „Arbeitskampf“. Ein solcher Versuch, ein respektabler Politiker zu werden, war von ziemlich seltsamen Ritualen begleitet. Während des  Wahlverfahrens benutzte Dugin damals ein Erbe  des bekannten Okkultisten, schwarzen Magiers und Satanisten, des Oberhaupts des Ordens der „Östlichen  Templer“ von 1922 bis 1947, Aleister Crowley.  Auf Vorwahlkonzerten für Jugendliche haben „National-Bolschewiki“ aus seinem „Team“ Abschnitte aus dem „Buch des Gesetzes“ A. Crowleys vorgelesen, die sich durch Vorsingen sowjetisch-patriotischer Lieder abgewechselt haben; hier haben Schauspieler mittels Puppen auch Episoden aus der sexuellen Magie des Ordens des Goldenen Morgenrots, wo Crowley seine „satanische Praktik“  begonnen hat, dargestellt. Gleichzeitig propagiert Dugin in „Elementen“ (thematische Ausgabe „ Erotismus“) die sexuelle Magie von Crowley und tantrische sexuelle Praktiken „der linken Hand“.

Aber „schwarze Magie“ hat nicht geholfen, und Dugin wurde nicht zum Abgeordneten gewählt. Bald hat er zu  theoretischen Forschungen auf dem Arbeitsfeld des orthodoxen Christentums gewechselt. 1996 veröffentlicht der Crowley-Verehrer das nächste Buch „Metaphysik der frohen Botschaft“ mit dem Untertitel „Christlich-orthodoxer Esoterismus“. Dort verkündigt Dugin, dass er das orthodoxe Christentum aus methodologischen Positionen von René Guénon (das heißt, aus der Position eines Gnostikers, der zum Islam konvertiert, in den Sufi-Orden eingetreten ist und absolut überzeugt ist, dass Christus kein Gottessohn ist) analysiert.

Aufgrund einer solchen (angeblich christlichen, in Wirklichkeit aber islamischen und hinduistischen) esoterischen Autorität und anhand des Zitierens von dieser „Autoritäten“ nicht entsprechenden Texten aus der Bibel (auch der nicht kanonischen, einschließlich der judaistischen) dringt Dugin konsequent dem orthodoxen Christentum und insgesamt dem Christentum grundliegende gnostische Ideen auf, einschließlich die des Absoluts und der Hierarchie seiner Erscheinungen.

Dabei appelliert Dugin manchmal direkt an die radikale Gnostik. Im 11. Kapitel „Böser Demiurg“ schreibt er: „Die Gnostiker stehen auf jeden Fall außerhalb des dogmatischen Christentums… ihre Lehre wird von der Kirche abgelehnt. Aber das bedeutet nicht, dass ihre Ansichten einen reinen Irrglauben darstellen. Ganz im Gegenteil, sie zeigen eine gewisse Übertreibung ihrer Doktrinen … noch klarer die Spezifik der christlichen Metaphysik, decken ihre paradoxale Natur auf, deuten auf ein verborgenes Geheimnis der christlichen Offenbarung an“.

Weiterhin nennt Dugin, indem er radikale christliche Doktrinen beschreibt, die Ansichten der „Gnostiker-Dualisten“ Marcion, der Autoren von „Pistis Sophia“, Bogomilen und Kataren,  „die tiefste Form der gnostischen christlichen Philosophie“. Ich muss betonen, dass gerade bei Marcion der schärfste Antisemitismus zu beobachten ist, der auf der Ablehnung des „bösen Demiurgen Jahwe“ gründet. Dugin selbst schreibt (Kapitel 41 „Judas, Israel und die Kontrainitialisierung“), dass die Juden nach der Kreuzigung Christi „Träger der Kontrainitialisierung, „verfluchte Nation und Gemeinschaft“ geworden sind, deren metaphysische Leitung Judas Ischariot gehört“ – eine der Erklärungen des radikalen Antisemitismus bei okkulten Faschisten.

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Dugin mit Altgläubigen, 1997
Ab der 2. Hälfte 1997 wechselt Dugin zu einem neuen Objekt. Er beginnt, begeisterte Artikel über den Altglauben als eine echte russische christlich-orthodoxe Tradition zu veröffentlichen, die noch nicht durch nikonianische Reformen verdorben ist; er veranstaltet „Runde Tische“ mit Besprechung „des Glaubens der Eiferer der alten Frömmigkeit“. Und im Endeffekt schließt er sich nicht nur den „altgläubigen Glaubensgeschwistern“ an, sondern gründet auch einen kleinen Verein seiner jungen „esoterischen Anhänger“, denen Dugin laut einer Reihe von Augenzeugenberichten über „gnostische Wurzeln des uralten russischen orthodoxen Christentums“ erzählt.Man kann lange die Kasuistik der Politik Dugins entziffern. Eine besondere Aufmerksamkeit verdient das Motiv mit dem Eurasismus und der Aufbau Dugins eines großen Vereines Gleichgesinnter, dessen Leiter aus Rostov in den Stab von Pawel Gubarew eingetreten ist und bewaffneten Provokationen leitet.Aber eins ist absolut klar. Dugin ist ein sehr tiefer, starker und überzeugter Ideologe des okkulten Gnostizismus, auf dessen Basis Faschismus aufgebaut ist. Wo Dugin auch immer erscheint, wirkt er offen oder verborgen in Interessen des Faschismus, indem er Vereine, sie sich ihm anvertraut haben, auf gnostische Gleise umkehrt. Jetzt hat sich Dugin auf aktivste Weise in den politischen Vorgang eingeschaltet, der mit dem Kampf von Neurussland gegen den Faschismus zusammenhängt. Sollten wir annehmen, dass diesmal eine Ausnahme stattfindet, und Dugin mit seinen geistigen Geschwistern, den faschistischen  Bandera-Anhängern, kämpfen würde? Oder wäre es realistischer, zu vermuten, dass er, nachdem er eine Maske des Patriotismus angelegt hat (a propos erlaubt und sogar empfehlt der Gnostizismus, Nichtgnostiker zu betrügen), wird er desorientieren, irreführen, für den antifaschistischen Kampf tödliche Ideen einwerfen? Mir persönlich erscheint das zweite plausibler zu sein. Und Ihnen?

Quelle (auf Russisch): http://gurianov-pavel.livejournal.com/49037.html

 

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